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ACT Therapie 2023 – Ein Weg Der Selbstentdeckung

ACT-Therapie
Sie sind auf der Suche nach einem geeigneten Behandlungskonzept? Dann könnte die sogenannte ACT-Therapie genau das sein, wonach Sie suchen. ACT bedeutet ausgeschrieben Akzeptanz und Commitment Therapie und wird von einigen als Weiterentwicklung der klassischen kognitiven Verhaltenstherapie angesehen. Sie bedient sich beispielsweise Techniken, die seit Jahrtausenden von buddhistischen Mönchen angewendet werden. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie die ACT-Therapie funktioniert und warum sie das Verfahren sein kann, das Sie gesucht haben.
Fast jeder kennt das, Sie bestimmt auch. Negative Gedanken, schlechtes Gewissen und die damit verbundenen Gefühle. Meist gingen solchen Vorgängen in unserem Kopf, die man daher als kognitiv bezeichnet, Handlungen voraus, die nicht mit unseren Werten übereinstimmen. Beispielsweise, weil Sie etwas gegessen haben, was Sie eigentlich nicht mehr essen wollten. Oder weil Sie nicht bei einem Termin bei Freunden, beim Sport oder auf der Arbeit erschienen sind, obwohl Sie zuvor zugesagt haben. Letztlich gibt es unzählige dieser Situationen und Erlebnisse, die das Zeug haben, als negativ empfundene Gefühle und Gedanken in Ihnen auszulösen.
Das Problem dabei: Häufig führen erst diese Emotionen und Gedanken zu Schmerz und Leid. Ausschlaggebend für das unerträgliche Gefühl, die depressive Leere oder die alles umfassende Unlust war also nicht, dass Sie den Termin haben sausen lassen. Oder dass Sie sich nicht an Ihren vorher festgelegten Ernährungsplan gehalten haben. Verantwortlich für die Symptome, weshalb sich viele Menschen in die Obhut eines Psychologen oder Psychotherapeuten begeben, sind nach Ansicht der kognitiven Verhaltenstherapie diese Gedanken und Gefühle.
Auch die Akzeptanz und Commitment Therapie befasst sich mit diesen Vorgängen, die sich alleine im Kopf der Patienten abspielen[1]. Die Erfinder der Therapie, die von Fachleuten der Psychotherapie mit Patienten durchgeführt wird, sind überzeugt davon, dass das Verstehen dieser Zusammenhänge der Schlüssel für das Ende der Leiden und ein besseres Leben ist.
Was die ACT-Therapie zu einem umfassenden therapeutischen Ansatz macht?
Zuallererst ist die Feststellung wichtig, dass die Akzeptanz-Commitment-Therapie eine anerkannte Methode[2] in der Psychologie ist. Nach der Anamnese und der ersten Beratung des Patienten setzen ausgebildete Experten diese in der Praxis ein. Trotz der jungen Geschichte liegen mittlerweile einige Studien über das Verfahren vor, die die Wirksamkeit bei Erkrankungen wie Ängsten, Depressionen oder Borderline-Störungen nahelegen.
Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie könnte als ganzheitliches Verfahren betrachtet werden. Denn mit Hilfe der Methode machen Sie sich auf, Ihre eigenen Gedanken und Gefühle besser kennen zu lernen. Und was prägt und beeinflusst Sie mehr, als diese? Richtig, es gibt nichts, was wichtiger für Ihr Wohlbefinden und Ihr Leben ist. Genau an diesem Punkt setzt die kognitive Verhaltenstherapie[3] an.
Im Unterschied zur klassischen kognitiven Verhaltenstherapie setzt die Akzeptanz- und Commitment-Therapie jedoch auf die Entwicklung eines neuen Bewusstseins und einer neuen Achtsamkeit. Mit dem Ziel, Gedanken und Gefühle zu akzeptieren und nicht aktiv zu verändern. Auf diese Weise sollen Patienten von allen Leiden befreit werden, die durch die Unkenntnis dieser Gedanken oder durch den Kampf mit diesen Emotionen und Gedanken verursacht werden.
Was ist Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)?
Die folgende Aussage stellt sehr gut den Kern der ACT-Therapie, die vom Psychologen Steven Hayes entwickelt wurde und von Psychotherapeuten wie Russ Harris aufgegriffen und weiterentwickelt wurde. Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie ACT lehrt Menschen, dass sie nicht eins sind mit ihren Gedanken und Gefühlen.
Patienten erfahren bei der Behandlung, dass sie nicht mit ihren Gefühlen verschmelzen müssen, ihnen nicht ausgeliefert sind und ihr Verhalten nicht danach richten müssen. Patienten erlernen einen anderen Weg, der über mehr Achtsamkeit gegenüber den eigenen Gedanken und den eigenen Werten und Wünschen gegenüber funktioniert. Auf diese Weise erreicht diese Therapieform eine Art positive Welle, die sich durch das komplette Leben der Patienten bewegt.
Kernaussagen der Therapie
Die ACT-Therapie greift an zwei Ecken an: den eigenen Gedanken und Emotionen und der Werteklärung. Was genau bedeutet das? Grundsätzlich geht die ACT-Therapie davon aus, dass Leid, Belastung im Leben und psychische Störungen das Resultat von kognitiver Fusion sein können. Wir alle erleben Rückschläge und schräge Emotionen und Gedanken, die uns belasten[4] können. Wenn wir uns zu sehr mit diesen Eindrücken “fusionieren”, also identifizieren und sie für unsere einzige Wahrheit halten, dann kann das zu Folgeproblemen führen.

Die erste Art der Eindrücke, negative Erlebnisse, die zu negativ wahrgenommenen Gefühlen und Gedanken führen, sind unausweichlich. Sie gehören zu unserer Existenz als Mensch. Die Folgeprobleme hingegen sind es nicht. Diese entwickeln viele Patienten, weil sie ihre gedanklichen Prozesse zu wichtig nehmen. Charakteristisch ist die sogenannte Erlebnisvermeidung, also eine Haltung, die den Patienten bewusst oder unbewusst vor weiteren Schmerzen und negativen Gefühlen schützen soll. Das Problem daran: Rückzug, Flucht und übertriebenes Sicherheitsverhalten schützen nicht dauerhaft und haben zudem weitreichende Konsequenzen für andere Dinge im Leben des Patienten.
Behandlungsziele der ACT-Therapie
Zentral bei dieser Therapie zur Verhaltensänderung sind, wie der Name schon sagt, die Akzeptanz und die Verpflichtung (das Commitment) gegenüber sich selbst und den eigenen Werten. Das Ziel ist es, dem Patienten zu helfen, sich nicht mehr vor als schmerzhaft empfundenen Erfahrungen zu verstecken und diesbezüglich aufgebaute Probleme und Strategien zur Vermeidung von Erlebnissen abzubauen.
Zentraler Sinn der ACT-Therapie ist also, eine Achtsamkeit für die Prozesse zu entwickeln, die im eigenen Kopf ablaufen. Denn viele kennen die Methoden dazu nicht und sind sich oft nicht einmal bewusst, dass die negative Interpretation ihrer Gedanken und Gefühle die Basis von vielen Problemen in ihrem Leben ist. Therapeuten nutzen dafür Methoden aus der buddhistischen Meditationspraxis oder anderen Therapieformen.
Den anderen großen Teil im Rahmen der ACT-Therapie nimmt die Werteorientierung ein. Was sind die Werte und Ziele des Patienten und wie kann das Leben in Einklang mit diesen gebracht werden? Das hat mindestens zwei wichtige Gründe: Erstens hilft es den Patienten, die Ursache von mitunter zu vielen negativen Emotionen zu entlarven. Denn wer ständig gegen seine Werte lebt, fühlt sich nicht gut, das gehört zu den Grundlagen. Zweitens macht das Entdecken und Kennenlernen der eigenen Werte eine Werteorientierung erst möglich. So, dass Patienten sich konkrete Schritte überlegen können, wie sie zukünftig handeln möchten, damit ihr Leben mehr die Form annimmt, die sie sich wünschen – und sich darauf festlegen können (committen).
Für welche Zielgruppe ist ACT geeignet?

Grundsätzlich kann die ACT Therapie, die Patienten mit Hilfe von Acceptance und Commitment heilt, bei vielen Störungen des Verhaltens helfen. Sie kann allgemein Menschen helfen, die sich schwer damit tun, negative Gedanken und Emotionen konkret wahrzunehmen, zu akzeptieren und so zu bewältigen. Aufgrund der Art der Interventionen in der Methode bietet sie sich auch hervorragend für Patienten an, die sich schwer tun, eigene Werte zu identifizieren und danach zu leben.
Mit der ACT-Therapie können verschiedene Störungen behandelt werden
Erfolge zeigte die Therapie bislang bei Menschen, die unter Angst[5], Depression[6] und anderen psychischen Erkrankungen[7] leiden. Auch Sucht- oder Zwangsstörungen fallen in das Raster der Therapie. Zudem können auch Menschen von der Praxis der Therapie profitieren, die mehr Flexibilität im Umgang mit Schmerzen und körperlichen Beeinträchtigungen suchen, die ihr Leben nachhaltig beeinflussen. Grundsätzlich spricht die Therapie jeden Patienten und jede Patientin an, die Schwierigkeiten haben, Konflikte zu lösen und unter Stress im Alltag leiden.
ACT-Übungen für zu Hause
Wichtig zu beachten ist, dass jeder Mensch und jedes Problem einzigartig ist. Therapeuten klären durch Fragen und Diagnosen, was genau das Problem in den Beziehungen des Patienten zu sich und anderen ist. Erst dann macht es Sinn und ist es vor allem sicher, eine Behandlungsmethode festzulegen. Als Laie ist es unmöglich, alle wichtigen Faktoren zu überblicken.

Dennoch gibt es Akzeptanz- und Commitment-Therapie-Übungen, insbesondere aus der Achtsamkeits-Praxis, die die ACT-Therapie nutzt und die als allgemein nützlich gelten. Zu diesen gehören die Meditationspraxis oder MBSR, was so viel heißt wie mindfulness based stress reduction. Für beide Interventionen gibt es viele Anlaufstellen, die Sie auf Anfrage auch bei Krankenkassen bekommen können.
Fazit
Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie ACT hilft Menschen, eigene Gedanken und Emotionen zu erkennen. Dadurch schaffen es Patienten eher, sich nichtmit diesen Eindrücken zu identifizieren, sondern sie als etwas wahrzunehmen, das auch wieder vorbeigeht. Als etwas, das den Patienten selbst nicht unbedingt vereinnahmen muss. Diese Erfahrung und weitere Übungen erlauben es Patienten zudem, das Gefühl für die eigenen Werte zu schärfen. Die Kombination aus Akzeptanz und sich selbst den eigenen Werten zu verpflichten ist eine wirksame Methode für viele psychische Beschwerden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Psychologen über die Möglichkeiten.
Häufig Gestellte Fragen
Die ACT geht davon aus, dass viel Leid dadurch entsteht, dass Betroffene ihre Werte nicht kennen und bewusst oder unbewusst gegen diese leben. Mit Hilfe der ACT-Therapie ändert sich das, so dass Patienten ihr Wort und ihr Handeln mehr nach den eigenen Werten ausrichten können.
In einer ACT-Gruppe helfen sich Patienten unter Betreuung von Experten gegenseitig und wenden die ACT-Methode an.
Kognitive Fusion ist das Phänomen, wenn Menschen mit einem Gedanken oder einem Gefühl so verschmelzen, dass sie damit eins werden. Obwohl das Gefühl, wie beispielsweise Wut oder Angst, nur im Kopf entsteht und nichts mit der Realität zu tun hat, identifiziert sich der Betroffene so stark damit, dass es zu seiner einzigen Realität wird. Hier setzt die ACT-Therapie an und versucht, Patienten Werkzeuge zu vermitteln, die es ihnen erlauben, sich selbst als von ihren Gedanken getrennt wahrzunehmen.
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